Blog

25 November

Karwendelmarsch 2014 Empfehlung

geschrieben von  Ebel/Bulle
Karwendelmarsch 2014

Als wir 2013 mit Jens und einer kleinen Gruppe nach Achenkirch (Österreich) fuhren, um dort am Achenseelauf teilzunehmen und eine Woche zu wandern, hörten wir zum ersten Mal vom Karwendelmarsch. Dieser findet immer am letzten Augustwochenende statt, geht über 52 km von Scharnitz, durch bzw. übers Karwendelgebirge nach Pertisau. Dabei sind 2.281 Höhenmeter zu bewältigen. Man kann sich hier für den Lauf, den Marsch oder das Walken anmelden, wem die 52 km doch zu viel sind, der kann auch die kürzere Variante über 35 km wählen, die dann an der Eng endet.
Beeindruckt von der wunderschönen Gegend um den Achensee stand für uns schon bald fest: da müssen wir unbedingt dabei sein. Und so meldeten wir uns für den Karwendelmarsch 2014 an - natürlich über die lange Distanz, mit ein paar Marathons in den Beinen, trauten wir uns diese neue Herausforderung durchaus zu. 2 Monate vor dem Marsch haben wir einen "Probelauf" gestartet und waren im Harz wandern, am ersten Tag 30 km von Bad Harzburg über die Rabenklippen zum Brocken und von dort nach Braunlage. Am zweiten Tag ca. 24 km von Braunlage zurück nach Bad Harzburg.

Dann kam endlich der August, Anreise bereits am Freitag, um sich ein wenig an die Höhenmeter zu gewöhnen. Samstag haben wir es bei herrlichem Sonnenschein ruhig angehen lassen, mit der Karwendelbergbahn auf den Zwölferkopf, danach mit Bus und Bahn zur Wolfsklamm. Leider zogen bereits am Nachmittag dicke Regenwolken auf, die für den nächsten Tag kein gutes Wetter versprachen. Den ganzen Tag über hatten wir letztlich beim Blick auf die Uhr doch ein etwas mulmiges Gefühl, hatten wir uns da nicht zu viel vorgenommen? Wo würden wir morgen um diese Zeit sein??? Schafften wir das Zeitlimit von 8:30 Stunden bis zur Eng? Wer nämlich nicht in diesem Zeitrahmen das Tal und den Gasthof erreicht hatte, wurde aus Sicherheitsgründen aus dem Rennen genommen. Wir waren uns von Beginn an einig: wir wollen die gesamte Strecke laufen, müssen wir bei km 35 aus welchen Gründen auch immer aufhören, dann tun wir das - gemeinsam. Gemeinsam gestartet bedeutet auch: gemeinsam das Rennen beenden.

Am Sonntag hieß es zeitig aufstehen. Wir hatten uns für den Transfer per Bus von Pertisau nach Scharnitz um 4 Uhr entschieden, da wir erst da noch unsere Startunterlagen holen mussten. Tja und was die Wolken am Vortag versprachen, hielt der Sonntag auch: es regnete. Die Fahrt nach Scharnitz dauerte etwa eine Stunde. Im Bus ruhige, gespannte Stimmung. Angekommen holten wir die Startunterlagen, darin befand sich auch ein Heftchen, in dem alle Labestationen (Verpflegungspunkte) eingetragen waren. Hier sollte dann jeweils per Stempel vermerkt werden, dass wir diese passiert haben.
Dann hieß es warten. Verstohlen beobachteten wir die anderen, versuchten zu erraten, wer sich als Läufer eingetragen hatte (die sahen echt kernig aus), wer wohl die ganze Distanz wagte und ob andere auch so unsicher waren, wie wir. Trotzdem alles in allem: super Stimmung.
Punkt 6 Uhr fiel der Startschuss per Kanone. Die armen Einwohner von Scharnitz, auf einen Sonntag so geweckt zu werden. Es ging los, die Läufer rannten, die Marschierer marschierten und die Walker - nun ja, walkten. Stöcke hatten fast alle dabei. Immer noch Regen. Es wurde langsam hell. Die ersten 9 km vergingen schnell, die Anstiege moderat (Start in 964 m.H.) , vorbei an Kuhweiden, die hohen Felshänge noch ein Stück vor uns, wenn man dann mal welche durch die Nebel- und Regenwolken sah. Die erste Labestation bei km 9,58 in 1.173 m Höhe: Kekse, Tee, Wasser und Obst und und.... Der erste Stempel schmückte unser bis dahin noch leeres Heftchen. Weiter ging es und der erste Anstieg kam. Auf den nächsten 9 km waren 600 Höhenmeter zu bewältigen. Da fingen die ersten an zu keuchen - okay, wir auch. Der Weg war als Forstweg aber gut begehbar, schraubte sich in engen Serpentinen m für m hoch. Noch immer Regen und die Sicht entsprechend schlecht. Wir freuten uns, als nach einem Blick auf die GPS-Uhr klar war: aus den über 52 noch zu gehenden Kilometern, waren jetzt 4 plus x Restkilometer geworden. Der Baumbestand ging zurück und wir gingen durch karge Felslandschaft. Und schon waren wir an der 2. Station - Am Karwendelhaus, km 18,19 und in 1.771 m Höhe. Zu dem Regen kam hier auch noch ein kalter Wind. Stempel, warme Suppe, Tee, nicht lange stehenbleiben - weiter. Was wir uns mühsam bergauf erkämpft hatten, mussten wir wieder runter, kamen durch wunderschöne Nadelwälder, durch trockene Flussbetten und nassen matschigen Waldwegen. So schade es war, dass die Sicht praktisch null war, hatte dieses nebelige Wetter aber auch etwas Schönes, Mystisches an sich. Nach 6 km erreichten wir Station 3, waren bei km 24,23 und in 1.399 m Höhe. Wir fühlten uns noch frisch, waren gut in der Zeit und zuversichtlich, dass wir im geforderten Zeitfenster waren. Dann kam jedoch wieder ein harter Anstieg, bis zur nächsten Labestation in 6 km Entfernung mussten 400 Höhenmeter geschafft werden. Aus dem leicht begehbaren Forstweg war ein steiniger, rutschiger Waldweg geworden. Hohe Konzentration war erforderlich, sicheres Aufsetzen der Füße, dass man nicht auf losen Geröll oder Wurzeln wegrutschte. Aber auch dieses Stück schafften wir. Und die Uhr zeigte an: noch 3 plus x Restkilometer. Wir waren an der Falkenhütte angekommen, die im dichten Nebel kaum zu erkennen war. Km 30,23 und in 1.808 m Höhe. Auch hier gab es kein langes Verweilen, da wir auf dem freien Platz durch den wieder kalten Wind schnell auskühlten. Jetzt waren wir uns sicher, die geforderte Zeit bis zur Eng zu schaffen und natürlich weiter zu marschieren. Es folgten 2 relativ entspannte Km, links von uns lag das Lalider Tal und rechts von uns die Laliderer Wände - zumindest vermuteten wir das - gesehen haben wir davon leider nicht viel. Es folgte ein etwas schwierigen Abstieg, weil es durch die Nässe sehr rutschig war und dann war schon das Zwischenziel - die Eng - zu sehen, die wir nach 7 Stunden und 15 min erreicht haben. Hier gab es leckere Heidelbeersuppe, Kartoffelsuppe, Brot, Kekse und wieder Tee und Obst. Ursprünglich hatten wir geplant, hier eine kurze Rast zu machen, vielleicht die Socken zu wechseln und einfach im Gras den Beinen für die letzten Etappen etwas Ruhe zu gönnen. Aber die Schuhe waren nass und dreckig, ein Wechsel der Socken lohnte sich bei dem Wetter nicht, im Gras sitzen machte keinen Spaß und lange Pausen kühlten aus. Also ging es nach 10 min weiter. Nur noch 17 km waren zu schaffen. Wir wussten es noch nicht: aber das schwierigste und härteste Stück lag jetzt vor uns. Von der Eng bis zur Binsalm und damit dem nächsten Stop waren es nur 3 km - aber 270 Höhenmeter. Es war anstrengend, aber da es ein breiter Forstweg war, gut begehbar. Km 38,37 war geschafft. Doch dann kam ein Anstieg, der uns alles abverlangte: sowohl von den Höhenmetern wie auch vom Weg, ein schmaler enger Pfad, über Stock und Stein, steile Abhänge hinter bzw. neben uns, beim Blick nach oben war durch die vor uns liegenden Starter nur zu erahnen, wie steil und weit es noch nach oben ging. 400 Höhenmeter auf nur 2 km - aber dann standen wir auf dem höchsten Punkt der Strecke: am Bimssattel/Gramaisattel - in 1.903 m Höhe. Spätestens jetzt war uns klar, warum der Veranstalter solch ein strenges Zeitlimit bis zur Eng gesetzt hatte. Wir haben für die letzten zurückgelegten 5 km über 2 h gebraucht und waren auf dem Gipfel ziemlich erledigt. Aber wir wussten: jetzt geht es nur noch bergab..... erst einmal bis zur Station Nr. 7, am Gramai Hochleger, in 1.756 m Höhe und schon bei km 41,52. Nur noch etwas über 10 km. Wer allerding schon oft in den Bergen war, der weiß, bergablaufen ist auch nicht viel leichter als bergauf - eher noch anstrengender. Nach über 40 km und etlichen Höhenmetern in den Beinen hatten wir mit dem Abstieg ziemlich zu kämpfen - fast wünschten wir uns mal wieder einen Anstieg. Aber irgendwann erreichten wir das Tal. Gefühlt war der Abstieg 5 km lang und wir schätzten, dass jetzt nur noch 5 -6 km vor uns lagen. Aber das nächste km-Schild versetzte uns einen ziemlichen Dämpfer: noch 9 km. Das hat uns tatsächlich ein wenig demotiviert, wir wussten, das sind nochmal etwa 2 Stunden. Okay, half nix, umdrehen wäre jetzt ja auch doof. Der Weg führte durchs Falzthurntal und war eben (leider damit auch relativ langweilig), an 2 Labestationen konnten wir uns noch eine Pause gönnen. An der Letzten fragten wir, wann denn der erste Läufer durchgekommen wäre: kurz vor 10 Uhr sagte man uns. Mit dem Blick auf die Uhr (es war inzwischen fast 16 Uhr) war Bewunderung und Respekt in unseren Augen zu lesen, tiefe Verneigung vor solcher Leistung. Nun gut, für uns galt es die letzten Kilometer zu bezwingen. Es waren viele vor uns - aber auch noch einige hinter uns. Nicht schlecht für uns Flachlandtiroler. Wir erreichten Pertisau, da lagen die Sieger bestimmt schon entspannt in der Sauna. Auf den letzten Metern winkten uns von einem Gasthaus ein paar Frauen zu, die wir am Tag davor in der Seilbahn getroffen hatten. "Da kommen sie", hörten wir sie rufen und sie jubelten uns zu. Es war ein tolles Gefühl, als die Frauen uns am Vortag bewundernd anschauten und fragten: da macht ihr mit? Wow!!!! Aber ein noch tolleres Gefühl war es, jetzt an ihnen vorbeizulaufen und zu wissen: wir haben es tatsächlich (gleich) geschafft. Wir grinsten und freuten uns. Und plötzlich war der Zieleinlauf da, die letzten Meter waren ein Waten durch einen Schlammpfad, der nur hintereinander passierbar war und so verpassten wir sogar, dass eine Kamera auf uns gerichtet war und Fotos machte. Wir wollten doch ein gemeinsames Zielfoto! Also ein paar Schritte zurück, aber den rechten Auslöse-Zeitpunkt doch nicht erwischt. Egal: wir waren nach 11 h 39 min im Ziel. Wir hatten uns insgeheim gewünscht, unter 12 h zu bleiben: haben wir geschafft. Dreckig, nass, erschöpft - aber unglaublich stolz und glücklich. Was für ein tolles Erlebnis. Platzierungen spielen hier überhaupt keine Rolle - außer natürlich bei den Superläufern. Wir fühlten uns als Siegerinnen und das waren wir auch. Sollten wir trotzdem sagen, welche Plätze das waren? Na gut, Platz 145 bzw. 146 unter den Frauen und Platz 515 bzw. 516 insgesamt. Aber wie schon gesagt, völlig unwichtig, denn das Ziel war, es zu schaffen - gemeinsam. Keine von uns ist je so weit am Stück gelaufen/gewandert und hat so viele Höhenmeter an einem Tag bewältigt. Wir haben gewonnen.
Am Abend war dann Sauna und relaxen angesagt. Obwohl wir ziemlich erledigt waren, war an schlafen nicht zu denken, viel zu aufgedreht von dem Erlebten und unserem gefühlten Sieg. Schade, dass das Wetter uns den Blick auf die herrliche Bergwelt nicht gegönnt hat. Aber wer weiß, wofür es gut war. Auch bei diesem Wetter haben wir das eine oder andere Foto gemacht, vielleicht wären wir bei Sonnenschein gar nicht vom Fleck gekommen, weil uns die Eindrücke einfach überwältigt hätten und wir vor Fotos machen nicht vorangekommen wären. Wir beiden hatten unglaublich viel Spaß, wir haben uns gegenseitig motiviert (war aber fast nicht nötig), im Gegenteil, zu wissen, dass daheim Menschen sitzen, denen wir bald von unserem Erlebnis berichten konnten, die natürlich auch mit uns mitfieberten, war Motivation genug.
Das Wetter am nächsten Tag war leider auch nicht besser. Trotzdem hatten wir schon wieder die Wanderschuhe an den Füßen. Muss der Marathonläufer auslaufen - wandert der Wanderer aus..... Aber es war ein leichte Tour zur Dalfazalm mit Einkehr in der Hütte. Am Abend hieß es dann die Kalorien anschaufeln, die wir am Tag zuvor verbrannt haben. Und jetzt konnten wir mit einem Bierchen auch endlich auf unseren Erfolg anstoßen. Die übliche Frage: würdet Ihr das nochmal machen? Na klar!!!!!
Der Sieger war übrigens nach 4:19 h im Ziel. Die erste Frau nach 5:20 h. Tja, da kann man nix zu sagen. Bergziegen halt.
Hier einige Eindrücke aus dem Karwendelgebirge.
Gelesen 1604 mal Letzte Änderung am Freitag, 27 November 2015 18:16
Artikel bewerten
(0 Stimmen)

Aktuelle Blogeinträge

Kontakt

Eilenriede-Sports

Jens Schärff - Personal Trainer

und Gesundheitscoach

Flüggestrasse 12

30161 Hannover

Erreichbarkeit

Montag - Sonntag: 7:00 Uhr bis 22 Uhr

Rufen Sie mich an, schicken Sie mir eine Mail oder eine SMS

0172-5179396

E-Mail: info[at]eilenriede-sports.de