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24 April

Unterwegs auf dem Jakobsweg

geschrieben von  A. Kiehne

Unterwegs auf dem Jakobsweg – von Saint-Jean-Pied-de-Port bis Santiago de Compostela

Buen camino! So grüßt man sich unter Pilgern auf dem Jakobsweg. Der Camino, dass ist in meinem Fall der bekannteste Jakobsweg in Spanien, der Camino Francés.
Los ging’s per Zug bis Saint-Jean-Pied-de-Port,um dann über 800 km quer durch Spanien zu Fuß zurück zu legen. Bepackt mit einem ca. 9,5 kg leichten Rucksack (inklusive 1l Wasser). Und um die Frage gleich zu beantworten: Ja, man kommt mit so wenig Gepäck gut aus und hat alles dabei, was man braucht.

Der Weg:
Die Natur rund um den Camino ist wunderschön! Von Wäldern, Wiesen und Weingebieten über Bergregionen bis hin zu weiten Ebenen ist eigentlich alles dabei. Meist geht es auf Schotter- oder Feldwegen entlang. Manchmal auch auf Landstraßen, die aber meistens wenig befahren sind. Die Wege sind oft steinig (im wahrsten Sinne des Wortes…) und es geht immerzu hoch und runter. Mal mehr, mal weniger. Ich konnte also gar nicht anders, als körperlich im Laufe der 5 Wochen richtig fit zu werden. Quasi nebenbei. :)
Auf dem Camino gibt es mit wenigen Ausnahmen alle 4 bis 10 km einen hübschen kleinen oder größeren Ort, wo man sich in einer Bar schön niederlassen und pausieren kann. Oder sich eben eine Unterkunft sucht. So macht das Spaß!

Die Unterkünfte:
Wer ein echter Pilger ist, übernachtet natürlich in Pilgerherbergen! Die sind günstig und so unterschiedlich, wie es nur geht. Von komfortablen Vier- oder Sechs-Bett-Zimmern über Räume mit 10 bis 20 (Etagen-)Betten bis hin zu Großraum-Herbergen mit 100 Betten in einem Raum ist alles dabei.
In den Städten und größeren Orten gibt es aber auch jede Menge Pensionen oder Hostels, wo man Einzel-, Doppel-, und auch Mehrbettzimmer bekommen kann. Das lohnt sich schon mal für eine Mütze ruhigen Schlaf. Hier gibt es oft die Wahl zwischen Zimmern mit Gemeinschaftsbädern oder mit eigenem Bad.
Ich habe es mir da ab einem bestimmten Zeitpunkt eher gut gehen lassen. :) Die Erlebnisse und Erfahrungen in den Herbergen möchte ich aber auf gar keinen Fall missen. Das muss man einfach mal gemacht haben!

Das Essen:
Morgens in den Herbergen oder Bars fängt der Tag mit einem hervorragenden Café con leche einfach gut an! Meist mit etwas Süßem dazu, wie Croissant oder Toast mit Marmelade. In den Bars hat man da oft eine größere Auswahl, in Herbergen eher nicht. Was ich geliebt habe: Überall bekommt man frisch gepressten Orangensaft. Soooo lecker!
Abends ist dann Pilgermenu angesagt. Das besteht aus zwei Hauptgängen (auch wenn das erste nur eine Vorspeise sein soll…), Nachtisch, Brot und wahlweise eine Flasche Wasser oder eine Flasche(!) Vino Tinto. Was will man mehr… :)

Das Wetter:
An Wetterlagen und Temperaturen hatte ich eigentlich alles dabei. Auf der ersten großen Etappe über den Pass in den Pyrenäen gab’s Nebel, Wind und… Schnee! Oben auf dem Pass waren Teile des Weges sogar vereist. Natürlich ging es hier bergab – was auch sonst…
Die meiste Zeit über hatte ich aber schönstes Wanderwetter. Leicht bewölkt, um die 18-20 Grad. Optimal!
Zwischendurch gab‘s aber auch mal ordentlich Regen. Wandern durch Dauerregen ist aber immer noch besser als heftiger Platzregen, Gewitter oder Hagel. So hatte ich eigentlich immer Glück und meine Füße sind weitestgehend trocken geblieben.
Wind bis hin zu stürmischen Böen waren auch dabei. Meist aber bei einem herrlichen Sonne-Wolken-Mix. Das sieht toll aus! Nach mehreren Stunden Fußmarsch wird’s dann aber auch mal lästig.
Sonne pur. Das ist natürlich toll! Bei Temperaturen um die 35 Grad ist dann aber auch die liebe Sonne eine echte Herausforderung. Vor allem wenn man beschließt, nach dem Mittag den wunderschönen Camino Duro (statt an der viel befahrenen Landstraße entlang) zu gehen. Im Reiseführer heißt es „Es geht einige hundert Meter sehr steil bergauf“. Dass das absolut ernst gemeint ist weiß man spätestens nach den ersten drei Metern Anstieg, wenn man sich überlegt, ob das jetzt wohl so eine schlaue Idee gewesen ist. Aber am Ende wird man trotz der Strapazen für einen absolut unglaublich schönen Ausblick belohnt!

Die Pilger:
Es ist viel los auf dem Camino! Und sie kommen von wirklich überall her. Ich bin auf Leute aus ganz Europa, Korea, Japan, Kanada, USA und Australien getroffen. Die Deutschen sind aber tatsächlich die Pilgermeister.
Viele tolle Menschen durfte ich kennen lernen. Manche trifft man immer wieder auf dem Weg, andere dagegen sieht man irgendwann nicht wieder. Mit den einen geht man nur ein Stück des Weges, mit anderen ergeben sich intensive Gespräche oder gar Freundschaften. Und alle schließt man irgendwie in sein Herz, selbst, wenn man gar nicht so viel miteinander zu tun hatte. Allein, dass man sich am Ende in Santiago wiedersieht, verbindet oft schon und löst überschwängliche Freude aus. Weil eben jede Begegnung auf diesem Weg ganz besonders ist.

Fazit:
Der Weg ist eine Herausforderung, ja. Aber Schritt für Schritt ist alles machbar. Mit genug Zeit und einer Portion Gelassenheit. Man ist jeden Tag in der Natur und an der frischen Luft, es gibt nichts Besseres! Und man lernt tolle Menschen kennen.
Was ich gelernt habe: Alles findet sich. Und: Es kommt wie es kommt. Loslassen ist angesagt! Und die beste Erkenntnis überhaupt: Am Ende des Tages braucht man nicht mehr als eine heiße Dusche, ein gutes Essen in netter Gesellschaft und ein Bett zum Schlafen. Das ist Luxus!

Projekt-Check:
Start: 25. April 2017, Saint-Jean-Pied-de-Port
Ankunft: 30. Mai 2017, Santiago de Compostela
Strecke: 804,4 Kilometer (lt. Reiseführer)
Wandertage: 34
Ruhetage: 2
Kürzeste Etappe: 12 km (Viel zu heiß für den steilen Anstieg!)
Längste Etappe: 41 km (Das machen wir bitte nicht nochmal…)
Etappenlänge im Schnitt: ca. 25 km

Gelesen 542 mal Letzte Änderung am Mittwoch, 13 Juni 2018 09:56
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